Vasant, der Sanskrit-Name für Frühling, steht auch für Freude und Kraft. Frühling bedeutet Neubeginn. Doch um neu durchzustarten, müssen wir uns erst mal von Altlasten befreien.
Im Ayurveda spricht man gerne von angesammeltem „Kapha“.
Der Winterspeck, den wir in der kalten und dunklen Jahreszeit brauchten, wird nun eher zu Last, die uns müde und energielos werden lässt. Das bekannte Ama, die Schlacken, machen uns das Leben schwer mit verschiedenen Symptomen, wie
Dies sind alles Symptome eines zu hohen Kaphas.
Wie kommt es nun zu dieser Erhöhung?
Der Winter ist Vata-Zeit, das heißt, wir brauchen, um uns vor den Kälteeinflüssen der kalten Jahreszeit zu schützen, einfach kräftige und nährende Speisen. Unser Appetit geht verstärkt in Richtung fettige und deftige Nahrungsmittel, und auch der süße Geschmack darf nicht zu kurz kommen. Diese jahreszeitliche Vorliebe liegt uns sozusagen in den Genen, um das Überleben ohne Heizung und Daunenjacken zu sichern.
Heute, mit all unseren tollen Errungenschaften, fällt uns dies aber auf die Füße. Wir essen mehr als wir verbrauchen und dazu kommt noch der Bewegungsmangel in der dunklen Jahreszeit.
Umso wichtiger ist es mit Kapha-reduzierenden Nahrungsmitteln das Ama auszuleiten. Nachher dazu mehr!
Warum schon im Februar ein Workshop mit dem Thema „Ein guter Start in den Frühling“, wo bei uns doch der Frühling erst am 21. März beginnt?
Im Ritucarya werden 6 Jahreszeiten mit unterschiedlichen Qualitäten von Doshas und Agni beschrieben. Anstatt wie bei uns das Jahr in die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter aufzuteilen, unterscheidet der Ayurveda nochmals zwischen frühem und spätem Winter und frühem und spätem Sommer. Diese sind zwar jeweils von dem gleichen Doha geprägt (im Winter Vata und im Sommer Pitta), zeichnen sich aber durch unterschiedliche Qualitäten von Agni aus. Grundsätzlich brennt das Agni in den kühleren Jahreszeiten besser und wird bei übermäßiger Hitze und Nässe schwächer. Passen wir die Ernährung nicht diesen Umständen an, kann dies zur Ansammlung von Ama, unverdauten Stoffwechselrückständen (Schlacken), kommen.
Hier sind die 6 Jahreszeiten aus ayurvedischer Sicht erklärt!
Aus dieser Aufstellung wird klar, warum wir schon Ende Februar/Anfang März damit beginnen sollten, unsere Ernährung umzustellen. Der Körper hat den natürlichen Drang, sich von seinem im Winter angesammelten Kapha-Überschuss zu befreien und Ama aus dem Organismus auszuleiten. Diese „Wochenendkur“ soll den Startschuss dazu geben, in eine Kapha-reduzierende Ernährung überzugehen. Das Ganze kann als innerer „Frühjahrsputz“ für unseren Körper angesehen werden.
Die Geschmacksrichtungen scharf, bitter und herb/zusammenziehend sollten den Vorrang haben.
Hier eignen sich bittere Blattsalate und frische Kräuter, zu bevorzugen sind natürlich Wildkräuter, die jetzt langsam anfangen zu sprießen. Aber auch flüssige Speisen, wie Suppen und scharfe Gewürze (Achtung bei zu viel Pitta!) sind jetzt angesagt. Gemieden werden sollten vor allem sehr salzige, schwere, gebratene und saure Speisen, dazu gehören Milchprodukte, die gern verschleimend wirken, aber auch Kartoffeln.
Die nachfolgende Aufzählung soll einen kleinen Überblick geben, welche Nahrungsmittel von Vorteil sind und welche in der nächsten Zeit gemieden werden sollten. Hier solltest Du mit Augenmaß vorgehen und nicht zu streng sein.
Getreidesorten, die schleimlösend, erhitzend und harntreibend wirken, sind gut geeignet für die nächste Zeit. Hülsenfrüchte passen generell sehr gut zu dieser Diät.
Ideal sind: Keine.
Gut sind: Buchweizen, Gerste, Mais, Hirse, Roggen, Linsen, Mungdahl, Bohnen.
Nicht so gut: Reis, Hafer, Kichererbsen, Sojabohne. Lieber vermeiden: Weizen, Dinkel, Vollreis.
Bitteres und scharfes Gemüse, Blattgemüse, Gemüse mit harntreibender Wirkung wie Spargel, Möhren oder Sellerie eignen sich gut für die Kapha-Reduzierung. Vom rohen Verzehr rate ich in dieser Zeit ab. In der darauffolgenden Früh-Sommer-Zeit darf dann wieder mehr Rohes gegessen werden.
Ideal sind: Sellerie, Spargel, Möhren, Brokkoli, Blattgemüse, Rettich, Knoblauch, Artischocke.
Gut sind: Rosenkohl, Blumenkohl, Kohl, Kohlrabi, Rote Bete, Radieschen, Petersilie, Peperoni, gekochte Zwiebeln, Lauch, grüne Bohnen.
Nicht so gut: Schwarzwurzel, Tomaten, Auberginen, Kürbis, Süßkartoffel, Gurken, Zucchini, Meeresalgen, Oliven, Avocado, Pilze.
Lieber vermeiden: Keine.
Frische Früchte enthalten einen großen Wasseranteil, der für diese Diät nicht von Vorteil ist. Da sie aber leicht sind, können sie Kapha nicht nachhaltig beeinflussen. Mit Gewürzen wie Nelken, Zimt oder Ingwer gekochte Früchte sind noch besser. Auch Trockenfrüchte dürfen in kleinen Mengen gegessen werden.
Ideal sind: Trockenfrüchte, gekochte Äpfel und Birnen.
Gut sind: Papaya, Granatäpfel, Zitrone, Orange, Grapefruit, Ananas.
Nicht so gut: Datteln, Melone, Feigen, Trauben, Mango, Erdbeeren, Himbeeren, Kiwi, Kirschen, rohe Äpfel.
Lieber vermeiden: Bananen
Samen und Nüsse sind in dieser Zeit wegen ihres Ölgehaltes nicht so gut geeignet, da sie den Körper zusätzlich beschweren und das Kapha-Dosha weiter erhöhen können.
Ideal sind: Keine.
Gut sind: Mohnsamen, Sonnenblumenkerne.
Nicht so gut: Mandeln, Kürbiskerne, Walnuss, Sesamsamen, Pistazien, Cashewnüsse, Pinienkerne, Kokosnuss.
Lieber vermeiden: Erdnüsse.
Grundsätzlich sollten nur kleinste Mengen von Ölen in dieser Zeit verwendet werde, da Öle als schwer und nährend gelten und somit die bestehende Trägheit im Körper fördern können.
Ideal sind: Keine.
Gut sind: Senföl, Sesamöl, Ghee, Kokosöl.
Nicht so gut: Olivenöl, Maisöl.
Lieber vermeiden: Alle anderen.
Fast alle Gewürze, speziell die scharfen, kommen hier zum Einsatz. Salz ist, außer in der heißen Jahreszeit, sparsam einzusetzen.
Ideal sind: Salbei, Anis, schwarzer Pfeffer, Ingwer, Knoblauch, Stinkasant (Asafoetida), Basilikum, Nelken, Zimt, Kardamom, Selleriesamen (Ajowain), Kurkuma, Bockshornkleesamen.
Gut sind: Chili, Fenchel, Koriander, Kümmel, Kreuzkümmel, Wacholderbeeren, Majoran, Minze, Paprika, Muskatnuss, Oregano, Thymian, Rosmarin.
Nicht so gut: Steinsalz.
Lieber vermeiden: Meersalz, raffiniertes Salz.
Außer Buttermilch und Molke sind Milchprodukte für eine Kapha-reduzierende Diät überhaupt nicht geeignet. Sie wirken schwer und schleimbildend und können das Kapha-Dosha weiter aus dem Gleichgewicht bringen.
Ideal sind: Keine.
Gut sind: Buttermilch, Molke
Nicht so gut: Entrahmte Milch, Magerkäse.
Lieber vermeiden: Alle anderen.
Leider gibt es auch hier nichts Gutes zu vermelden. Außer Honig, der mindestens sechs Monate gereift sein sollte, sind keine Süßungsmittel erlaubt. Auch die künstlichen Süßstoffe sollten unbedingt vermieden werden.
Ideal sind: Keine.
Gut sind: Alter Honig.
Nicht so gut: Ahornsirup, Kokosblütenzucker
Lieber vermeiden: Alle anderen.
Achtung!
Diese Liste ist für eine Ernährung in den Monaten März bis April geeignet, Du solltest Deine Ernährung nicht zu dogmatisch und zu streng ausrichten. Je nachdem, ob Du generell zu mehr Kapha neigst oder sich Symptome eines erhöhten Kaphas zeigen, kannst Du die Ernährung anpassen. Ab Ende April, wenn ayurvedisch der Frühsommer beginnt, solltest Du das ansteigende Pitta berücksichtigen.
Jetzt weißt Du Bescheid, welche Nahrungsmittel für das ayurvedische Frühjahr in den Monaten von Ende Februar bis Ende April am Besten für Dich geeignet sind. Nachfolgend beschreibe ich den Ablauf der Wochenend-Kur in zwei verschiedenen Varianten.
Schau Dir beide Varianten genau an und entscheide, welche Kur für Dich jetzt richtig ist und für das Wochenende passt. Falls Du Dich für die Wochenend-Fastenkur entscheidest, solltest Du auf jeden Fall mit den aufgeführten Rezepten für 3-4 Tage weitermachen. Auch empfehle ich, diese Rezepte in der ayurvedischen Frühjahrszeit verstärkt zu kochen. Da die Rezepte sehr unterschiedlich sind und nicht alle am Wochenende gekocht werden können, solltest Du Dir selber die Rezepte raussuchen, die Dich ansprechen und danach Deine Einkaufsliste zusammenstellen.
Variante 1
In dieser Variante gestaltest du dir die Tage deiner Wochenendkur nach einem festen Ablauf. Du variierst dabei ayurvedische Getränke, Frühstücks- und Mittagsmahlzeiten sowie Suppen.
Variante 2
Diese Variante besteht aus drei Phasen. Mit einem sanften Einstieg, einem bewusst ruhigen Fastentag und einem achtsamen Aufbau bringst Du Körper und Geist wieder in Balance. Weniger Reize, einfache Nahrung und bewusstes Innehalten helfen Dir, loszulassen, zu entgiften und neue Klarheit zu gewinnen.
Diese beiden Varianten eines kurzen Wochenend-Workshops haben natürlich keinen wirklich nachhaltigen Effekt, wenn Du so weiter machst wie zuvor.
Diese zwei Tage sollen Dir eine Idee vermitteln, wie Du Dir in dieser Zeit was Gutes tun kannst. Der Vorteil dieser kurzen Reinigungstage ist, dass Du ein neues Gefühl für Deinen Körper bekommst und wieder besser spürst, was Dir gut tut und was nicht. Vielleicht fällt es Dir dann leichter, tatsächlich ein paar neue Schritte zu gehen.
Hier kommen jetzt noch ein paar praktische Tipps für den Alltag, die Dir helfen können, gesund zu bleiben:
Die Grundidee des Ayurveda und damit jeder Ayurveda-Kur ist es, die Balance im Leben wieder herzustellen. Das geschieht aber nur undogmatisch und individuell. Finde für Dich heraus, was Dich wirklich stärkt. Die bewusste Wahrnehmung und der Kontakt mit sich selbst ist dabei der wichtigste Schlüssel.
Ein kleiner Bonus für dich: